Vielfalt im Gymnasium Langenberg

Berufsorientierung

Dass während des Praktikums nützliche Erfahrungen gemacht werden können, soll der eher zufällig herausgegriffene Auszug aus einem der Berichte belegen, die die Schülerinnen und Schüler bei dieser Gelegenheit anfertigen. Eine Schülerin verbrachte die Zeit ihres Praktikums in einer Schule für geistig Behinderte. Sie betreute vor allem Schüler, die zu diesem Zeitpunkt sieben oder acht Jahre alt waren und wurde, wie sie selbst schreibt, zur rechten Hand des Lehrers, da Hilfe eigentlich immer benötigt worden sei.

Als ich am ersten Tag in die Klasse kam, war mir ehrlich gesagt schon ein wenig mulmig zumute. Ich hatte bis dahin noch nie mit Behinderten zusammengearbeitet und hatte keine Ahnung, wie ich auf sie zugehen sollte. Als die Kinder schließlich nach und nach eintrafen, waren die Reaktionen verschieden. Die einen beachteten mich gar nicht und die anderen schielten verstohlen zu mir herüber. Nur einer stürmte gleich auf mich zu und zerrte mich hinter sich her. Sein Name ist Christian. Vor allem ihn sollte ich in den nächsten Tagen noch gut kennen lernen. Schon nach fünf Minuten wusste ich, was seine Lieblingsbeschäftigungen sind: andere dazu bringen, in die Hände zu klatschen, mit den Fingern auf der Tischplatte, auf dem Stuhl oder einer Kiste herumzutrommeln. Da die Lehrer meist keine Zeit und auch keine Lust hatten, stundenlang zu trommeln, war ich in den nächsten Tagen damit beschäftigt. Weder ich noch die Lehrer konnten ihm lange Zeit böse sein, er hat einen unheimlichen Charme. Johannes, dessen Sprachzentrum zerstört ist und der daher nicht sprechen kann, macht mit den Gesten, die er im Laufe der Zeit selbst entwickelt hat, auf sich aufmerksam. Wenn er etwas haben möchte, nimmt er z. B. den Zeigefinger der rechten Hand und tippt damit auf die Handfläche der linken Hand. Da ich während der Praktikumszeit festgestellt habe, dass es mir einfach unheimlich viel Spaß macht, mit diesen Kindern zu arbeiten und dass mir diese Arbeit auch nicht über den Kopf wächst, bin ich zu dem Entschluss gekommen, nach der Schule einen Beruf mit behinderten Kindern zu ergreifen, zum Beispiel als Therapeutin. Da ich weiß, dass man, um z. B. Therapeutin zu werden, das Abitur braucht, hat mir das Praktikum auch geholfen, über meinen weiteren Bildungsweg nachzudenken.