Vielfalt im Gymnasium Langenberg

Nokia

Die Nachricht, dass Nokia-Bochum geschlossen werden sollte, hatte es geschafft bei uns im Unterricht ein Thema zu werden. “Warum?”, war wohl die häufigste Frage, die gestellt wurde, denn waren nicht erst vor kurzem Rekordgewinne bekannt geworden. Ein Erfahrungsbericht.

Doch die Entscheidung das Werk zu schließen, so schien es, stand fest. Da konnten wir noch so oft im Unterricht feststellen, dass 2000 Arbeitsplätze verloren gingen und das bei solchen Umsatzzahlen. Konnte das gerecht sein?! Es dauerte nur ein paar Tage, bis zu einer großen Solidaritätskundgebung aufgerufen wurde. Daran teilzunehmen war eine zwar kurzfristige, aber doch längere Geschichte, die aber hier nichts zur Sache tut.

Als wir dann am Dienstagmorgen, den 22. Januar 2008, uns auf den Weg nach Bochum machten, überwog die Ungewissheit, was wir dort vor finden würden. Das Mitleid und Unverständnis hatte uns dazu gebracht an der Solidaritätskundgebung teilzunehmen. Die Fahrt dorthin verlief ohne das zuvor erwartete Verkehrschaos. Ob es daran lag, dass wir einen so guten Plan hatten, dass wir uns erst suchen mussten? Doch der Grund, weshalb wir nicht in ein Verkehrschaos geraten sind, lag wohl daran, dass wir sehr früh losgefahren sind.

Am Platz der Kundgebung waren wir zum ersten Mal überrascht, denn wir fanden nur eine Bühne und wenige Menschen, die mit dem Aufbau beschäftigt waren, vor. Natürlich war uns bewusst, dass man sich erst am Nokiawerk traf. Doch hatte der ein oder andere ein paar mehr Menschen erwartet. Die größere Überraschung erlebten wir dann am Nokiawerk, denn dort waren um 10Uhr nur geschätzte 30 von den 20.000 erwarteten Demonstranten vorzufinden. Ausgerüstet mit Verdikappe, Trillerpfeife und Fahne wurden wir zum gejagten Ziel der Medien. Ob WDR, ZDF, RTL oder N24, jeder kündete sein Interesse auf ein Interview an. Das waren die ersten Überraschungen an diesem Tag. Als wir dann endlich die Zeit hatten, uns das Werk von außen zu betrachten, wurden einem die Dimensionen der Auswirkungen erst richtig vor Augen geführt. 2000 Menschen die ab Februar keine Arbeit mehr haben würden, eine erschreckende Vorstellung. Mitleid, Unverständnis und vielleicht auch die Hoffung, dass einem selbst das nie passieren werde, waren wohl die Gefühle der meisten. Arbeiter auf die Straße setzen, um in Rumänien produzieren zu können und so noch mehr Gewinne einzufahren, dies war einfach zu hoch für uns.