
Schon bei “Momo” (1998/99) und bei “Eurydike” (2002/03) hatten wir das Gefühl, absolut im Trend zu liegen, ohne dies je geplant zu haben. In besonderem Maße empfinden wir dies wiederum so bei dem neuen Projekt Beflügelt. Die Produktion greift ein Bild auf, das im wahren Wortsinn in der Luft lag. Logisch hier geht es um Engel. Fast mag man von Engeln nichts mehr hören oder sehen. Aber wie immer in unseren Tanztheaterstücken versuchen wir, andere, vielleicht ungewohnte Aspekte in ein strapaziertes Thema zu bringen und machen es dadurch – hoffentlich – wieder interessant. Oft sind die Gründe pragmatischer Art. Meist folgen wir jedoch unserer Ansicht, dass nichts so präsentiert werden muss, wie man es schon kennt; dass alles wandelbar ist.
“Beflügelt – Ein himmlisches Tanzprojekt” entsteht zurzeit an der Musik- und Kunstschule Velbert mit den Schülerinnen der Tanzklassen und der Choreografischen Werkstatt Langenberg, sowie der AG BCD – Boys Can Dance des Gymnasiums Langenberg. Das Projekt ist auf ein halbes Jahr ausgelegt bei einem wöchentlichen Aufwand von 15 Unterrichtsstunden. Es wird überwiegend alters- und gruppenübergreifend trainiert, entwickelt und geprobt, aber auch im Unterricht oder in Einzelproben entstehen Ergebnisse, die später in das große Ganze eingefügt werden. Am Ende steht eine abendfüllende Choreografie.

Konzeption, Dramaturgie, Choreografie und künstlerische Gesamtleitung des Projekts liegen in den Händen von uns Tanzpädagoginnen, jedoch werden die Schülerinnen und Schüler von Anfang an in den kreativen Prozess einbezogen, d.h.: ein Rhythmus, eine musikalische Vorlage, eine technische Aufgabe, ein inhaltliches Thema oder Objekte dienen als Ausgangspunkt für das freie Ausprobieren. Auf diesem Wege werden einzelne Schrittmotive bis hin zu Sequenzen mit den TanzschülerInnen entwickelt.
Es wird keine zusammenhängende Geschichte mit einem Protagonisten erzählt. Vielmehr nehmen Engel die Rolle der Überbringer bestimmter Stimmungen ein: Engel der Stille, Engel der Harmonie, Gefallene Engel und andere – auch phantasievolle – Formen der Himmelswesen lassen den Zuschauer eintauchen in die Atmosphäre, die für die nachfolgende, ebenfalls im Tanz stilisierte, Realszene charakterisierend ist.
Niemals haben die Engel direkten Kontakt zu den Menschen, doch ihr Auftauchen bestimmt den Inhalt der sich anschließenden Szene, die sich z.B. in einem Zimmer, auf einer Wiese, am City-Strand, im Hinterhof, in der Bar oder am Bahnhof abspielt. Collagenartig zeigt das Stück Momentaufnahmen alltäglicher menschlicher Lebenssituationen, die durch emotionale Kälte, Neid, Zorn, Ungeduld, Rastlosigkeit, aber auch durch Liebe, Lebenslust und Freude gekennzeichnet sind.
Als roter Faden der Geschichte erscheint der Engel der Stille einzeln oder als Gruppe immer wieder zwischen den Real- und Engelszenen. Die Engel der Stille werden in ihrer Funktion und ihrem Auftreten jedoch zunehmend verdrängt, so dass sie nach anfänglich häufigem Erscheinen erst in der letzten Szene wieder zum Einsatz kommen.
Die Vorgänger Momo und Eurydike zeigten am Ende nicht nur einen Genuss für Auge und Ohr, auch der pädagogische und fachliche Wert zeigt sich noch lange nachdem der Vorhang der Forum- Bühne gefallen ist. An Beflügelt stellen wir dieselben Erwartungen.
Insgesamt werden über 60 Schülerinnen und Schüler im Alter von 7 bis 19 Jahren am 23. und 24. März 2007 das Himmlische Tanzprojekt präsentieren. Neu beim diesjährigen Projekt wird die Kooperation mit Musikern und Sängerinnen sein. Inszenierung und choreographische Leitung hat das bewährte Team von Gabriele Voigt, Cornelia N’Jai, Nicole Siefert und Denise Derkum. Mit diesem Projekt bewerben wir uns beim Wettbewerb der Jugendinitiative der Kulturstiftung der Länder: www.kinder-zum-olymp.de
Der kreative Ansatz unseres Unterrichts ist begründet in der Lehrweise Maja Lex (www.elementarertanz.de) und wurde weiterentwickelt durch Graziela Padilla. In Zusammenarbeit von Padilla, N’Jai und Voigt entstand das LexPadilla DanceConcept. Schauen Sie bitte auch auf die Homepage (www.befluegelt.net) von Frau Voigt. Hier finden Sie weitere Informationen und Bildern. Diesen Text stellen wir auch als PDF-Datei (60 kB) zur Verfügung.
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